Reflexion – Nach dem Anfang

27 Feb

Für einen Hund fühlt sich ein Jahr wie 7 Menschenjahre an.

Für einen Student im Bachelor, fühlt sich ein Semester wie ein Monat an.

Ein Dutzend von Pflichten muss parallel erfüllt werden, um die Deadlines einhalten zu können, welche sich wie drohende Linien durch den Kalender ziehen. Leider ist es häufig das Wesen einer Hausarbeit oder Prüfung, dass man auf die Zeit wartet, in der man sich konzentriert und ungestört der Sache hingeben kann, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen, bis man bemerkt, dass diese Zeit nicht mehr kommen wird.

Durch die Tatsache, dass alle Gruppenmitglieder ständigen Einblick in den Bearbeitungsstand des Blogs hatten und durch Anmerkungen, Diskussionen und Interaktionen dem Gedeihen beigetragen haben, entstand ein positiver externer Zwang, kontinuierlich am Ball zu bleiben.

Ich bin der Meinung die wichtigsten Säulen von „The Voice of Germany“ in Bezug auf dessen Digitale Kommunikation beleuchtet zu haben und inhaltlich relevante Beiträge generiert zu haben. Die Gliederung, die ich zu Beginn angefertigt hatte, zeigte erhofften Erfolg und half mir stringent die essentiellen Themen zu behandeln und diese in sinnvoller Reihenfolge zu publizieren. In Hinblick auf die gewünschte Kollaboration habe ich, soweit möglich, Bezug auf die Beiträge, Kommentare und Anregungen meiner Kommilitonen genommen und an passender Stelle in Form von Pingbacks auf passende Artikel der Learning-Community verwiesen. Durch meine teilweise oft provokant dargebotene Haltung habe ich versucht das Involvement der Leser des Blogs zu erhöhen und Diskussionen zu schüren.

Um meinen eigenen Anforderungen und Bedürfnissen (beim Lesen von fremden Artikeln) gerecht zu werden, habe ich mich um Prägnanz bemüht und durch Medien wie Fotos und Videos die Artikel durch Veranschaulichung und Mehrwert bereichert.

Meine anfänglichen Bedenken in Form eines Blogs nicht wissenschaftlich arbeiten zu können, habe ich durch eine gewissenhafte Angabe jeglicher Text- und Bildquellen beseitigt.

Um auch noch meine Probleme zur Sprache zu bringen: Das konstante verfolgen der Artikel meiner Teammitglieder kostete mich zum einen viel Zeit und zum anderen erschwerte es mir das Erfassen eigener Beiträge erheblich, da die Wortwahl und der Content der anderen mich meine eigenen Ideen und Strukturierungen teilweise vergessen ließ. Wenn ich andere Artikel über eine Thematik lese, die ich selbst beleuchten wollte, orientiere ich mich unbewusst immer daran und neige dazu meine Vorredner zu kopieren. Dem war nur vorzubeugen, indem ich als Erster über besagte Themenschwerpunkte schrieb, was natürlich nicht immer möglich war. Im Gegenzug half es natürlich sehr im Rahmen dieser Community als Team sich mit ähnlichen Themen auseinanderzusetzen und somit den primären Druck der reinen Pflichterfüllung zu vergessen.

Abschließend muss ich wirklich zugeben, dass mir diese Aufgabenstellung im Vergleich mit früheren Hausarbeiten am meisten Spaß bereitet hat und ich des weiteren auch noch Interesse und Input hätte um diesen Blog zu verfeinern und zu erweitern. Doch wie ich am Anfang schon erwähnt habe ist das letzte Korn der Sanduhr für diese Aufgabe vorerst gefallen.

Erstverwertung & Zweitverwertung

4 Jan

Im digitalen Zeitalter kann eine ausschließliche Ausstrahlung im Fernsehen wertvolle Fans kosten. Schon Christian Ulmen hat am Nerv der Zeit erkannt, dass die Zielgruppe im Netz oft eine andere ist und neue Bedürfnisse entwickelt hat. Auch wenn Ulmen kein quotenfixierter High-Budget Produzent ist wie „endemol“, sieht er keine Gefahr darin verkürzte Versionen seiner Sendungen online zu stellen und dem Publikum dauerhaft zur Verfügung zu stellen. Im Gegenteil, das Online-Angebot ist eine klare Ergänzung zur Erstausstrahlung, die ein Großteil der Interessierten aus zeitlichen Gründen gar nicht in der Lage sind zu schauen. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Zuschauer den Faden der Show verliert, wenn ihm keine Möglichkeit geboten wird die verpassten Sendungen nachzuholen. Zusätzlich trägt das Online-Angebot dazu bei, dass die vergangenen Sendungen präsent und jederzeit wieder ins Gedächtnis rufbar bleiben. Bis zum Beginn der nächsten Show werden dann über Social-Media Kanäle gekonnt kurze Highlight-Videos und besondere Performances aus der vergangenen Show gepostet, um kontinuierlich den Hype aufrechtzuhalten und als Appetizer für die nächste Show zu dienen. Die Privatsender Pro 7 und Sat 1 müssen keine öffentliche Grundversorgung erfüllen und dürfen im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ihre Sendungen unbegrenzt in den Mediatheken archivieren. Den öffentlich-rechtlichen Sendern ist es lediglich erlaubt dem Online-Publikum verpasste Sendungen bis zu 2 Wochen nach Veröffentlichung zugängig zu machen, da sie über Rundfunkgebühren finanziert werden und diese Subventionierung nicht für den Online-Wettkampf missbrauchen dürfen. Dass eine hohe Nachfrage an einer Zweitverwertung im Netz besteht ist also keine Frage. Nicht zu vernachlässigen sind des Weiteren die Werbeeinnahmen, welche bei der Zweitverwertung im Netz über verschiedene „Ad’s“ wie skyscraper, tandem, in-video etc. generiert und über Klickzahlen maximiert werden.

Inwieweit das Fernsehen zum Nebenbeimedium avanciert wird im nächsten Beitrag behandelt.

Quelle:

Horizont.net. (2013). Christian Ulmen im HORIZONT-Interview: „Tele 5 ist Punk“. URL: http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Christian-Ulmen-im-HORIZONT-Interview-Tele-5-ist-Punk_110598.html (Abgerufen am 04.01.13)

Intern.ARD.de. (2013). Rundfunkstaatsvertrag. URL: http://www.ard.de/intern/rechtsgrundlagen/rundfunkstaatsvertrag/-/id=54384/tpmigr/index.html (Abgerufen am 04.01.13)

Promedia-Berlin. (2013). Im digitalen Zeitalter wird die Zweitverwertung immer wichtiger. URL: http://www.promedia-berlin.de/fileadmin/Archiv/2010/11/promedia201011-online01.pdf (Abgerufen am 4.1.2013)

Bindung über Social Media

17 Dez

Eine Online-Präsens auf Sozialen Netzwerken, wie Facebook und Twitter, ist mittlerweile für jedes erfolgs- und quoteninteressierte Format ein Muss. Im Cyberspace ist im Vergleich zur Erstverwertung im Fernsehen der Reichweite grundsätzlich kaum eine Grenze gesetzt. Im Oktober 2012 wurden auf Facebook eine Milliarde monatliche User registriert. Durch die reine Veröffentlichung von Neuigkeiten über die offiziellen Profile auf Facebook und Twitter kann lediglich ein winziger Bruchteil der User erreicht werden. Sobald es jedoch zur Interaktion der User mit den geposteten Inhalten kommt  kann quasi über Mundpropaganda ein viraler Marketingeffekt entstehen, welcher die Reichweite entscheidend ausdehnt. Wenn ich beispielsweise Inhalte auf der Facebook-Seite von „The Voice of Germany“ kommentiere oder sogar verlinke oder teile, können (abhängig von meinen Privatsphäre-Einstellungen) meine Freunde und Freundesfreunde das sehen und werden durch mich indirekt über die Inhalte informiert. Durch die Neugier oder das Bedürfnis mitzureden und sich an öffentlichen Diskursen beteiligen zu können, werden neue Rezipienten gewonnen, welche sich zu Usern entwickeln und eine Bindung an das Format aufbauen. Die Abgrenzung zwischen eher passiven Rezipienten und eher aktiven Usern, hat Jonas Baum in einem Artikel bereits treffend charakterisiert. Sogenannte „Hashtags“ liefern einen weiteren massiven Beitrag zur Ausdehnung der Reichweite. Durch die Voranstellung eines Schlagwortes durch ein Rautezeichen („hash“) auf Twitter kann eine Schlüsselwortsuche eingeleitet werden, wodurch frequentierte Themen nach Beliebtheit sortiert und somit wieder einem größerem Publikum zugänglich gemacht werden können.

Um auch bei der Social-Media Einbindung das letzte Register zu ziehen und die Interaktivität der Zuschauer auf ein Maximum zu steigern, wurde Backstage eine „Web-Lounge“ eingerichtet, in der die Co-Moderatorin Doris Golpashin die Talente interviewt, mit den geposteten Inhalten in besagten sozialen Netzwerken konfrontiert und mehr oder weniger die Kandidaten dazu nötigt Gefühle und Updates über die Show über ihre individuellen „The Voice of Germany“-Profile zu veröffentlichen.
Dem User wird somit ein starker Anreiz gegeben sich intensiv mit der Show auseinanderzusetzen und möglichst herausragende Kommentare zu verfassen um registriert und ein Teil der Sendung zu werden. Außerdem wird durch die Interaktion zwischen Fans und Talenten ein Gemeinschaftsgefühl geschürt, wodurch die Zuschauer wieder motiviert werden diese virtuelle Freundschaft zu pflegen und zu verfolgen, auch wenn man das kaum glauben mag.


Untereinander können die Zuschauer auch unter dem Livestream im Netz eine Menge traffic generieren und untereinander diskutieren. Obwohl die Effektivität dieses öffentlichen Massenchats anzuzweifeln ist, da Tausende von Kommentaren in Sekundenschnelle durch das kleine Fenster rauschen, ist durch die Verlinkung zu Facebook wieder ein interessanter Effekt der Massenkommunikation wahrzunehmen. Kommunizieren um des Kommunizieren Willens. Mitteilen um jeden Preis.

Screenshot von Facebook-Page "The Voice of Germany"

Abb. 1: Screenshot von Facebook-Page „The Voice of Germany“

Inwieweit eine parallele Ausstrahlung im Netz Sinn macht und ob für eine Votingshow auch bei einer Zweitverwertung ohne Voting eine Nachfrage existiert, wird im nächsten Beitrag thematisiert.

Quelle:

Newsroom Facebook. (2012). Key Facts. URL: https://newsroom.fb.com/content/default.aspx?NewsAreaId=22 (Abgerufen am 17.12.12)

Gründerszene. (2012). Hashtag. URL: http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/hashtag (Abgerufen am 17.12.12)

Screenshot von Facebook-Page „The Voice of Germany“ (2012). URL: https://www.facebook.com/TheVoiceOfGermany?ref=ts&fref=ts (Abgerufen am 17.12.12)

Einbeziehung über Interaktivität

11 Dez

Neben der Erzeugung emotionaler Betroffenheit, kann auch über die interaktive Einbeziehung der Zuschauer eine Bindung an die Sendung, erreicht werden. „The Voice of Germany“ nutzt förmlich alle Kanäle, um das zu erreichen.

Das klassische Fernseherlebnis ist nur durch eine einseitige Kommunikation vom Sender hin zum Zuschauer charakterisiert. Durch interaktive Elemente wird dem Zuschauer ermöglicht ein Format individuell zu gestalten und selbst etwas zur Handlung beizutragen. Es findet also eine Entwicklung von lean-back zu lean-forward statt, welche Sarah-Sophie Eckerlin bereits näher beleuchtet:

“Das Wesen vom Fernsehen ändert sich, der Sender wird auch zum Empfänger. Social Media wird in bestehende Programme mit eingebunden, erste Sendungen werden um Social Media Funktionen aufgebaut, Nutzer unterhalten sich in Echtzeit an unterschiedlichen Orten über ihre Lieblingssendungen. Wir erleben den mündigen Nutzer, der selbst und auf Basis von Empfehlungen Bewegtbildinhalte konsumiert.” ( Guido Bülow, 2012)

Schon anhand des Aufbaus der Sendung, wird deutlich, dass der Zuschauer von Phase zu Phase mehr involviert werden soll.

In Phase 1 „Blind Auditions“ und in Phase 2 „Battle Round“ entscheiden nur die Juroren darüber wer weiterkommt. Der Zuschauer sitzt hilflos zuhause und kann nur über die in seinem Sinne richtigen Entscheidungen hoffen und sich über die falschen Entscheidungen echauffieren.

In Phase 3 „Live Shows“ wird nun dem Zuschauer die Möglichkeit gewährt in das Geschehen einzugreifen und endlich den eigenen Favoriten über ein Telefon-Voting weiterzubringen. Diese Interaktion über einen Rückkanal wie Telefon und SMS wird als zweite Stufe der Interaktivität bezeichnet. In den ersten „Live Shows“ können jedoch die Juroren noch im Wesentlichen intervenieren, da sie die prozentuale Wertigkeit der Zuschauer-Votings bestimmen dürfen.

Erst in der Final-Show folgt ein Machtwechsel zwischen Juroren und Zuschauern, wobei erstere jetzt hilflos zusehen müssen, wie die Zuschauermehrheit über Sieg und Eliminierung der Kandidaten per Voting entscheidet.

Erweitert man jedoch die Perspektive über den Mikrokosmos der Show hinaus, so können auch Verlierer der Sendung noch zu Gewinnern werden.

Wie auch in allen anderen Castingshows, wird den Teilnehmern in jeder Episode die Möglichkeit gegeben, ihr Talent, ihre Arbeitsweise und Persönlichkeit vor einer riesigen Masse von Menschen zu präsentieren, in der nicht nur in erster Linie zurückgelehnte Unterhaltungsrezipienten sitzen. Die Selbstdarstellung im Rahmen einer solchen Castingshow ist gleichzeitig wieder ein großes intensives und anonymes Casting vor unzähligen Scouts, die aufmerksam nach neuen Künstlern für den passenden Knebelvertrag Ausschau halten. Der tatsächliche „Sieger“, gemessen in Verkaufszahlen, Gagen, Aufträgen, Klicks, Likes etc., wird erst auf dem realen Markt sichtbar. Die unsichtbare Hand zeigt wieder den Finger.

Quellen:

Digikommdigitv. (2012). Lean Back oder Imteract. URL: http://digikommdigitv.wordpress.com/2012/12/15/lean-back-oder-interact/ (Abgerufen am 11.12.12)

Tobe Social. (2012). Social TV – Wie Social Media interaktives Fernsehen ermöglicht. URL: http://tobesocial.de/blog/social-tv-wie-social-media-interaktives-fernsehen-ermoeglicht (Abgerufen am 11.12.12)

WAZ-Mediengruppe. (2012). The Voice of Germany mit neuen Regeln in den Liveshows. URL: http://www.derwesten.de/thema/the-voice-of-germany/the-voice-of-germany-mit-neuen-regeln-in-den-liveshows-id7318142.html (ABgerufen am 11.12.2012)

My Heimat. (2012). The Voice of Germany 2012/13. URL: http://www.myheimat.de/bestof/kommentieren/the-voice-of-germany-201213-d2438032.html (Abgerufen am 11.12.2012)

Ohne Antipathie, keine Empathie

7 Dez

Für jedes Format im Fernsehen, welches über einen bestimmten Zeitraum regelmäßig gesendet wird, ist die Bindung an den Zuschauer, der Schlüssel zum Erfolg.

Aus dramaturgischer Sicht wird durch die verschiedenen Charaktere der Kandidaten jedem Zuschauer der Weg eröffnet Empathie mit einigen von ihnen aufzubauen.

Selbst wenn die eigenen Favoriten ausscheiden und der Rezipient nicht mehr mit ihnen lachen, weinen und hoffen kann, bleibt trotzdem noch die Antipathie gegenüber den Konkurrenten, die man schrecklich arrogant und untalentiert findet und aus diesem Grund wieder mitfiebert, dass sie rausfliegen. Dadurch werden aus den Kontrahenten wieder Favoriten zweiter und dritter Wahl, welche die Spannung von Show zu Show aufrecht erhalten. Neben dem durch die Kandidaten erzeugten Sammelbecken an Kliffhangern spielen die Juroren eine weitere wichtige dramaturgische Rolle. Durch ihr echtes Starpotential und die Interaktion mit ihren Teammitgliedern erwachsen ständig neue unvorhersehbare Situationen, Konflikte und Highlights, die neue Twists erzeugen.

Aus Unvorhersehbarkeit folgt Überraschung und das ist es, was jeden Film, jede Serie und auch jede Show ausmacht. Die Kluft zwischen Erwartung und Realität erzeugt Spannung und vertreibt Langeweile. Diese Kluft wird durch die ständigen Konflikte und Neckereien unter den Jurymitgliedern selbst, noch geschürt.

Quellen:

Mc Kee, R. (2011). Story – Die Prinzipien des Drehbuchschreibens. Berlin: Alexander Verlag.

Bravo. (2012). Alle 24 Kandidaten. URL: http://brav0.de/bilder/480x304x85/alle-24-kandidaten-der-liveshows-von-the-voice-of-germany-6jua-zpis.jpg (Abgerufen am 7.12.2012)

Static.Universal-Music-Services. (2012). The Voice of Germany. URL: http://static.universal-music-services.de/asset_new/270287/881/view/c/The-Voice-of-Germany.jpg (Abgerufen 7.12.2012)

 

Oho eine Castingshow mit Niveau?

12 Nov

Jeder Trend der bis zur Übersättigung ausgereizt wird, erfährt auch bald den passenden Gegentrend. Man konnte also nur darauf warten, dass auch der Zenit der Oberflächlichkeit in deutschen Castingshows eine Gegenbewegung erfährt.

„The Voice of Germany“ soll laut Machern die anspruchsvolle Antwort sein, auf das jährliche Klonen von persönlichkeitslosen, aufmerksamkeitssüchtigen „Talenten“ zu erfolgsbasierten Boy- und Girlband-Konzepten, welche mit einem ähnlich klingenden „Hit“ wie ihre Vorgänger in den Tiefen der Z-Promis verschwinden, bis sie nach 3 Jahren im Dschungelcamp wieder auftauchen, um zu zeigen, dass mehr in ihnen steckt und man tatsächlich nicht lange warten muss, bis Ungeziefer in ihnen steckt.

Das zuerst in den Niederlanden als „The Voice of Holland“ ausgestrahlte Showkonzept soll toleranten Wind in die menschenreduzierende Fernsehlandschaft bringen. Für den Schöpfer der Sendung „endemol“ könnten aber auch die durchschnittlich 54% Marktanteil bei Ausstrahlung der ersten Staffel ein nicht minder wichtiges Ziel gewesen sein. Schließlich wird eine Firma wie „endemol“ nicht aus Idealismus zweitgrößter Fernsehproduzent weltweit.

Um dem Namen gerecht zu werden und die Kandidaten nur auf ihre Stimme reduzieren zu können, sitzen in der ersten Phase der Show die Juroren mit dem Rücken zur Bühne. Bei diesen sogenannten „Blind Auditions“ soll verhindert werden, dass sich die Juroren von einem ansprechenden Erscheinungsbild oder einer tollen Performance beeinflussen lassen. Nur basierend auf der stimmlichen Leistung und der Interpretation des Songs müssen sie ihre Entscheidung treffen. Sobald ein Juror den roten Buzzer vor sich betätigt, dreht sich sein Stuhl um 180° in Richtung des Kandidaten, wodurch dieser sicher eine Runde weiter ist.

Weitere Besonderheit der Show ist, dass die Kandidaten (als „Talente“ bezeichnet) in den Mittelpunkt gehoben werden, indem sie sich unter den Juroren, welche für sie gebuzzert haben, ihren späteren Coach aussuchen dürfen. Sind die „Blind Auditions“ überstanden, wird jeder der vier Coaches die Talente, die ihn gewählt haben, in Zweierteams einteilen, die in Phase 2 (der „Battle Round“) gemeinsam im Duett einen Song performen müssen. Während der Proben fungiert jeder Juror als Gesangscoach und gibt Tipps und Hilfestellung für die finale Performance in der Battle Round, in welcher auch nur der Coach über die Eliminierung der Mitglieder seines Teams entscheidet. Hier eins von den beeindruckendsten Gesangs-Battles:

The Voice of Germany: Battle – Rüdiger Skoczowsky vs. Giovanni Costello: What a wonderful World from Karin on Vimeo.

In Phase 3 den „Live Shows“ performen die Talente wieder Solo auf der Bühne, wobei diesmal die Zuschauer im Wesentlichen Einfluss auf die Eliminierung haben bis dann in der Final-Show ähnlich wie in allen herkömmlichen Castingshows die Zuschauer über langwierige Telefonvotings über Sieg und Fall der Talente entscheiden und die Coaches als Randfiguren darauf hoffen, dass ihr Talent die Show gewinnt.

Revolution lag in der Luft.

Quellen:

The Voice of Germany. (2012). URL: http://www.the-voice-of-germany.de/ (Abgerufen am 12.11.12)

BZ-Berlin. (2012). Dschungelcamp madige Ekelprüfung. URL: http://www.bz-berlin.de/kultur/fernsehen/dschungelcamp-madige-ekel-pruefung-article1089794-image1.html (Abgerufen am 12.11.12)

Musikmarkt. (2012). The Voice of Germany steigert Einschaltquoten. URL: http://www.musikmarkt.de/Aktuell/News/The-Voice-of-Germany-steigert-Einschaltquoten

Wikipedia. (2012). The Voice of Germany. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/The_Voice_of_Germany (Abgerufen am 12.11.12)

Einschalten um Auszuschalten

30 Okt

Im Laufe der letzten Jahre ist in den Fernsehzeitungen unseres Landes ein massiver Zuwachs von verschiedensten Castingshows zu registrieren. Formate wie „Germany’s next Topmodel“, suchen nach Menschen, die möglichst attraktiv und telegen sind während Shows wie „DSDS“ und „Popstars“ nach Menschen suchen, die möglichst attraktiv und telegen sind und zusätzlich schön singen können. Nicht zu vergessen ist das sogenannte „Hartz 4 TV“, welches irreführend die Fernsehpräferenz der deutschen sozialen Unterschicht bezeichnen soll. In diesen pseudo-dokumentarischen Scripted-Reality-Formaten werden traurige Gestalten besetzt, denen die Fähigkeit der Reflektion ihres Handelns fehlt, um denen die nicht „ganz unten“ sind, eine Möglichkeit zu geben, über die „ganz unten“ zu lachen und wiederum den anderen, die auch „ganz unten“ sind, das Gefühl zu geben, dass es keinen Grund zur Gram gibt, „ganz unten“ zu sein, sondern ihr Dasein sogar Potential für 15 Minuten Ruhm hat. In erster Linie ist eine Mutter, die ihre Kinder mit Schokolade vollstopft, in der Annahme, dass ihnen dadurch wertvolle Milch und Vitamine zugeführt werden, eine lustige Frau, eine virale Heldin, eine tolle Klickzahl, auf die man Werbung schalten kann und so weiter.

Ob Aufwärts- oder Abwärts-Vergleich. Die Schuldfrage für die Abstinenz von echtem Qualitätsfernsehen ist wie die Frage mit dem Huhn und dem Ei. Ob nun die Zuschauer Schuld sind, welche die Nachfrage fördern durch „einschalten um abzuschalten“ oder ob es die Produktionsfirmen und Redakteure sind, welche sich auf die Quotenmessung in 5640 deutschen Haushalten verlassen und dann dem Glauben verfallen für die Vorlieben von ca. 73 Millionen Rezipienten das richtige Angebot zu liefern.

Da eine solche Grundsatzdiskussion anstrengend ist und Nachdenken auf Dauer Kopfschmerzen verursachen kann, einigen wir uns darauf, dass Adam Smith Schuld ist. Hätte er die unsichtbare Hand nicht erfunden, dann wäre das alles nicht passiert.

Quellen:

Wikipedia. (2012). Einschaltquote. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Einschaltquote (Abgerufen am 30.10.12)

Endemol. (2012). URL: http://www.endemol.de/ (Abgerufen am 30.10.12)

Bundeszentrale für politische Bildung. (2012). Unsichtbare Hand. URL: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der wirtschaft/20914/unsichtbare-hand (Abgerufen am 30.10.12)